Warum eine volle Zahnarztpraxis noch kein gut geführtes Unternehmen ist.

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  • Eine Zahnarztpraxis kann voll sein. Alle Zimmer belegt, das Telefon durchgehend besetzt, zwölf Leute im Team, der Umsatz sieht ordentlich aus. Und trotzdem läuft der ganze Tag über einen einzigen Schreibtisch.

    Eine Mitarbeiterin meldet sich krank, und du entscheidest, wer umplant. Das Bestellformular liegt seit Dienstag da und wartet auf deine Unterschrift. Im Teammeeting wird eine Aufgabe verteilt, eine Woche später liegt sie wieder bei dir.

    Von außen sieht diese Praxis erfolgreich aus. Von innen hängt sie an einer Person. Ein voller Kalender beantwortet eben nicht die Frage, ob eine Praxis gut geführt ist.

    Darum geht es in diesem Beitrag

    • Warum vermeintliche Mitarbeiterprobleme fast immer einen Blick auf die Struktur brauchen
    • Vier Merkmale, an denen du eine gut geführte Zahnarztpraxis erkennst
    • Warum Wachstum die Führungsstruktur überholt, ohne dass es jemand bemerkt
    • Eine Übung, die an einem einzigen Tag zeigt, wie viel noch über dich läuft

    Nicht jedes Mitarbeiterproblem ist ein Mitarbeiterproblem

    Wenn eine Aufgabe zum dritten Mal nicht erledigt ist, siehst du zuerst die Person, die sie hätte erledigen sollen. Das ist nachvollziehbar. Es führt nur selten weiter.

    Denn solange die nächste Mitarbeiterin das Problem ist, suchst du immer wieder bei Personen. Sobald du die Struktur anschaust, kannst du etwas bauen, das auch mit wechselnden Personen funktioniert. Das ist der Unterschied zwischen einem Praxisalltag, der jeden Monat dieselbe Reibung erzeugt, und einem, der ruhiger wird.

    Woran ich eine gut geführte Praxis erkenne

    Ich schaue nicht zuerst darauf, ob der Kalender voll ist. Ich schaue auf vier andere Dinge.

    1. Sind Regeln verbindlich?

    Ein Standard ist nur dann ein Standard, wenn er auch an einem vollen Mittwoch gilt.

    Ein Beispiel. Ihr habt eine Regel für den Schmerzpatienten: Er kommt in die Mittagslücke, zwanzig Minuten, mehr nicht. An einem ruhigen Dienstag hält sich das Team daran. An einem vollen Donnerstag kommt die Frage an dich, du sagst „schieb ihn dazwischen“, und der Nachmittag verrutscht um vierzig Minuten.

    Was dein Team daraus lernt, ist nicht die Regel. Es lernt: Die Regel gilt, bis die Chefin etwas anderes sagt. Also fragt es beim nächsten Mal wieder. Genauso läuft es bei der Aufbereitung. Wenn die Freigabe an einem vollen Tag mündlich erfolgt und an einem ruhigen Tag dokumentiert wird, hast du keine zwei Arbeitsweisen. Du hast keine.

    Verbindlich heißt dabei nicht hart. Verbindlich heißt, die Ausnahme ist beschrieben: Wer darf sie entscheiden, in welchem Rahmen, und was passiert danach mit dem Terminplan. Eine beschriebene Ausnahme ist Teil der Regel. Eine spontane Ausnahme ersetzt sie.

    2. Ist Verantwortung zugeordnet?

    „Wir müssen uns darum kümmern“ ist keine Aufgabenverteilung. Vier Fragen machen daraus eine: Wer übernimmt es? Bis wann? Welches Ergebnis wird erwartet? Wer darf entscheiden?

    Das klingt banal, und genau dort bleiben Dinge liegen. Dafür reicht eine Seite mit drei Spalten: Aufgabe, Hauptzuständige, Vertretung. Recall, Bestellung, Abrechnungsvorbereitung, Validierung, Terminvergabe, Unterweisungen. Beim Ausfüllen siehst du sofort, wo deine Praxis verwundbar ist, nämlich überall dort, wo derselbe Name steht und keine Vertretung.

    3. Werden Zahlen zur Steuerung genutzt?

    Viele Inhaberinnen kennen ihren Umsatz. Umsatz allein beantwortet aber keine Führungsfrage.

    Der Kreislauf, um den es geht, hat drei Schritte, und ich mache ihn am Recall fest. Festlegen heißt: Ihr entscheidet, wie der Recall läuft, wer ihn macht und wer vertritt. Überprüfen heißt: Ihr schaut einmal im Monat auf eine einzige Zahl, nämlich wie viele fällige Patienten tatsächlich wieder da waren. Verbessern heißt: Wenn die Zahl nicht stimmt, ändert ihr etwas am Ablauf und schaut im nächsten Monat, ob es gewirkt hat.

    Eine Zahl, eine Abweichung, eine Entscheidung. Ohne den dritten Schritt bleibt es beim Anschauen. Dieselbe Logik gilt für alles andere: Womit verdient die Praxis ihr Geld? Wo geht Behandlungszeit verloren? Wie entwickelt sich die Prophylaxe? Zahlen sind dann hilfreich, wenn daraus eine Entscheidung folgt.

    4. Was passiert, wenn du nicht da bist?

    Das ist der ehrlichste Test. Wenn du zwei oder drei Wochen nicht erreichbar bist: Was läuft weiter? Was bleibt liegen? Wo kommen täglich Nachrichten? Welche Entscheidung wartet auf dich?

    Denk an deinen letzten Urlaub. Wie oft hast du aufs Handy geschaut, und worum ging es? In den meisten Fällen geht es nicht um fachliche Fragen. Es geht um eine Bestellung, um einen Dienstplan, um einen Patienten, der eine Ausnahme möchte. Das sind alles Entscheidungen, für die ein Rahmen fehlt.

    Warum Wachstum die Führung überholt

    Ein voller Kalender kann lange verdecken, dass die Struktur nicht mitgewachsen ist.

    Die Praxis startet mit einer Behandlerin und einem kleinen Team. Vieles wird mündlich geklärt. Die Inhaberin kennt jeden Patienten, jede Mitarbeiterin, jede Bestellung. Dann kommt ein weiterer Behandler dazu, die Prophylaxe wird größer, das Team wächst. Die Praxis hat sich verändert. Die Führung oft nicht.

    Rechne einmal nach, was das an Abstimmung erzeugt. Bei sieben Leuten in einer Schicht kennst du am Morgen den Stand aller. Bei fünfzehn Leuten in zwei Schichten gibt es Übergaben, die vorher niemand gebraucht hat: Frühdienst zu Spätdienst, Prophylaxe zur Assistenz, Rezeption zur Abrechnung. Jede dieser Übergaben ist eine Stelle, an der Information verloren geht, und für keine davon gibt es eine Regel, weil sie in der kleinen Praxis nicht nötig war.

    Dazu kommt der zweite Behandler. Er behandelt anders, plant anders, braucht andere Zeiten. Solange ihr keine gemeinsame Terminlogik aufgeschrieben habt, entscheidet die Rezeption jeden Tag neu, wessen Art gerade gilt. Und weil sie das nicht entscheiden darf, fragt sie dich.

    Daraus entstehen die Sätze, die ich in Praxen am häufigsten höre: „Warum muss ich alles selbst entscheiden?“ „Warum sieht das denn keiner?“ „Warum muss ich immer hinterherlaufen?“ Das sind keine Alltagssätze. Sie zeigen, dass die Organisation hinter dem Wachstum zurückgeblieben ist.

    Praxisführung ist kein einzelnes Thema

    Ich arbeite mit acht Blüten, die zusammen eine steuerbare Zahnarztpraxis ergeben. Ich habe sie zuletzt neu sortiert und schärfer geschnitten. Die Selbstführung ist zum Beispiel keine eigene Blüte mehr, sie steckt jetzt in der Unternehmerrolle. Wer entscheidet, was er nicht mehr selbst entscheidet, führt sich auch selbst.

    1. Unternehmerrolle und Strategie
    2. Wirtschaftlichkeit und Kennzahlen
    3. Organisation und Verantwortung
    4. Prozesse und Standards
    5. QM und Hygiene
    6. Leistung, Dokumentation und Abrechnung
    7. Patienten- und Terminsteuerung
    8. Team und Führung

    Diese acht stehen nicht nebeneinander wie acht Ordner im Regal. Sie greifen ineinander. Wenn Verantwortlichkeiten unklar sind, funktioniert QM schlechter. Wenn Zahlen nicht genutzt werden, wird der Terminplan nach Gefühl gesteuert. Wenn die Unternehmerrolle nicht klar ist, landet operative Verantwortung wieder bei dir. Wenn Führung nur aus Ansagen besteht, bleiben Prozesse an einzelnen Personen hängen.

    Was das in einer echten Praxis verändert hat

    Ich begleite eine Praxisinhaberin seit fast neun Monaten. Als wir angefangen haben, war viel Unruhe im Team. Häufige Krankmeldungen, schlechte Stimmung, Aufgaben blieben liegen. Sie war frustriert, und ihr Blick ging zuerst auf die Mitarbeiter.

    Gearbeitet haben wir an etwas anderem. An Hygiene und Arbeitsschutz. An Verantwortlichkeiten. An der Sprache in Teammeetings. An der Frage, wie eine Aufgabe so vergeben wird, dass am Ende klar ist: Wer macht es, bis wann, und was heißt erledigt.

    Bei der Hygiene gab es Vorschriften, und gleichzeitig wurden sie von der Inhaberin selbst immer wieder relativiert. War der Tag voll, wurde manches anders gehandhabt als an einem ruhigen Tag. Für ein Team ist das schwer, denn dann gibt es nicht eine Regel. Es gibt eine Regel auf dem Papier und eine Regel für den Alltag.

    Inzwischen wird das konsequenter umgesetzt. Offene Themen beim Arbeitsschutz werden nachgezogen, jede Aufgabe bekommt eine Person und einen Termin. Im Team ist es ruhiger geworden. Und die Inhaberin hat selbst ausgesprochen, dass hinter vielen ihrer Führungsprobleme ein Strukturproblem steckt.

    Dein Take-away

    Nimm dir einen normalen Praxistag und ein Blatt Papier. Schreib jede Entscheidung auf, die an diesem Tag bei dir landet. Wirklich jede: die Urlaubsfrage, die Materialbestellung, eine Patientenreklamation, eine Rückfrage aus der Rezeption, eine Personalfrage, eine Entscheidung zum Terminbuch.

    Am Abend gehst du die Liste durch und stellst bei jedem Punkt eine Frage: Musste wirklich ich das entscheiden?

    Wenn die Antwort Nein ist, schau genauer hin. Fehlt eine Zuständigkeit? Fehlt ein verbindlicher Standard? Fehlt ein Entscheidungsrahmen? Oder fehlt jemandem die Information, die er für die Entscheidung braucht?

    Damit bekommst du keine fertige Organisationsstruktur. Du siehst an einem einzigen Tag, wo deine Praxis noch über dich läuft. Und wenn du einen Schritt weitergehen willst: Nimm dir die drei häufigsten Nein-Punkte und ordne jedem eine Person und eine Entscheidungsgrenze zu. Bis zu welchem Betrag darf sie bestellen? Bis zu welcher Terminlänge darf sie umbuchen? Wer vertritt sie? Drei Sätze, aufgeschrieben, im nächsten Teammeeting vorgelesen.

    Wie es weitergeht

    Ich begleite Praxen durch die Umsetzung: mit der Inhaberin an Strategie, Zahlen und Führung, mit der Praxismanagerin oder einer Führungskraft an Verantwortung und Umsetzung, und dort, wo es sinnvoll ist, mit dem Team. Die erste Gruppe des neuen Jahresprogramms startet im Januar und ist bewusst klein.

    Wenn bei deiner Entscheidungsliste herauskommt, dass zu vieles bei dir landet, dann lass uns sprechen: 1:1 Kennenlerngespräch, dreißig Minuten. Du erzählst, ich sortiere mit dir, und du siehst danach, wo deine Praxis am stärksten an dir hängt.

    Jeden Dienstag um sechs kommt außerdem mein Newsletter, kurz und umsetzbar.

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Mareen Riedel-Venturi

Hi, ich bin Mareen

Als Unternehmensberaterin für erfolgreiche Praxisführung unterstütze ich Zahnarztpraxisinhaber:innen, wieder mit Freude zur Arbeit zu gehen.