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Das Telefon steht nie still – und dein Terminbuch hat trotzdem Lücken
- Lesezeit: 3 min
Mittwoch, kurz vor drei. Das Telefon klingelt seit halb acht ohne Pause, deine Kollegin am Empfang hatte den ganzen Tag keine zehn Minuten am Stück. Und dann gehst du an Stuhl zwei vorbei – und der ist leer. Eine Patientin hat morgens abgesagt, eine kam gar nicht, ein Termin wurde nach hinten geschoben.
Voller Tag, klingelndes Telefon, und trotzdem eine Lücke, in der niemand behandelt wird. Wie kann das sein?
Darum geht es in dieser Folge
- Warum mehr Telefonzeit gegen ein Problem hilft, das du gar nicht hast
- Die drei Gründe, aus denen ein volles Terminbuch trotzdem Lücken hat
- Was Praxen anders machen, bei denen es funktioniert
- Vier Zahlen, an denen du ablesen kannst, ob dein Terminmanagement funktioniert oder nur voll aussieht
Der falsche Schluss
Wenn das Telefon den ganzen Tag klingelt und trotzdem Lücken bleiben, denken die meisten: Wir müssen erreichbarer werden. Noch eine Leitung. Noch jemand ans Telefon. Längere Telefonzeiten.
Das ist trotzdem falsch. Mehr Telefonzeit hilft gegen ein Problem, das du nicht hast. Du hast kein Nachfrage-Problem – dein Telefon klingelt ja. Das leere Terminbuch, bei dem keiner anruft, ist das Problem einer Praxis, die gerade erst anfängt. Nicht deins.
Dein Terminbuch ist voll. Und genau deshalb greift „mehr Telefonzeit“ nicht. Du kannst nichts auffüllen, das schon voll ist. Mehr Telefonzeit bringt nur mehr Anrufe in ein System, das mit den Terminen, die es hat, nicht sauber umgeht. Du wirst lauter, nicht voller.
Grund eins: No-Shows, die niemand nachbesetzt
Der offensichtlichste Grund und der am meisten unterschätzte. In einer vollen Praxis sind Ausfälle kein Randthema, sondern der Hauptgrund für die Lücken. Der Tag war randvoll geplant, dann sagen zwei kurzfristig ab, einer erscheint nicht – und mitten im ausgebuchten Tag stehen Stühle leer.
Und dann entscheidet sich alles daran, was mit dieser Lücke passiert. In den meisten Praxen: nichts. Die Absage wird zur Kenntnis genommen, im System gelöscht, der Platz bleibt frei. Nicht, weil niemand kommen wollte – auf deiner Warteliste stehen Patienten, die froh wären. Sondern weil in diesem Moment niemand zuständig ist, die Lücke zu füllen.
Der zweite Teil: Der Patient, der nicht kam, gerät aus dem Blick. Niemand meldet sich. Aus einem einmaligen No-Show wird ein verlorener Patient.
Was die Praxen anders machen, bei denen es funktioniert
Sie haben zwei Festlegungen. Erstens: Wer reagiert auf einen No-Show, und wie? Eine benannte Person ruft an oder schreibt – nicht mit Vorwurf, sondern aus Sorge. „Sie hatten heute einen Termin bei uns und waren nicht da. Wir machen uns Sorgen um Ihre Zähne und möchten Ihnen einen neuen Termin anbieten.“ Das ist ein anderer Satz als „Sie sind nicht erschienen“. Der erste holt den Patienten zurück, der zweite verliert ihn endgültig.
Zweitens: Wer füllt die frei gewordene Zeit? Es gibt eine Liste – Warteliste, kurzfristig Verfügbare, Patienten, die gesagt haben „wenn früher etwas frei wird, rufen Sie mich an“. Und es ist klar, wer dann zum Hörer greift. Die Lücke am Mittwoch um drei ist dann keine verlorene Stunde, sondern ein Anruf.
Nicht jeder No-Show ist gleich
Wer einmal nicht kommt: Krankheit, Stau, verschwitzt. Den holst du warm zurück, fertig.
Wer wiederholt nicht kommt, ist ein anderer Fall. Wenn du den jedes Mal nur freundlich zurückholst und ihm wieder blind einen Platz reservierst, trainierst du das Muster mit. Hier gehört zweierlei dazu: das Verhalten im System kennzeichnen, damit jeder im Team es sieht, und es beim nächsten Kontakt offen und freundlich ansprechen. Solange das Muster besteht, bekommt dieser Patient keinen reservierten Platz auf gut Glück, sondern einen Termin, der erst mit seiner Bestätigung fest steht.
Und der teuerste Fall: der No-Show zum großen Termin. Dann steht nicht eine kurze Lücke leer, sondern die lange Zeit, die du extra freigehalten hast. Diese Termine gehören abgesichert: verbindliche Zusage beim Vereinbaren, Erinnerung am Tag vorher – und bei einem Patienten, der schon mehrfach nicht kam, reservierst du den großen Block erst gar nicht, bevor er nicht gezeigt hat, dass auf ihn Verlass ist.
Grund zwei: Der Tag ist voll mit Kleinkram
Wenn jeder Termin vergeben wird, sobald jemand anruft – nach dem Prinzip „der nächste freie Platz“ –, füllt sich dein Terminbuch mit vielen kurzen Terminen. Eine Kontrolle hier, eine kurze Sache da, dazwischen ein Schmerzpatient. Das Buch ist voll. Voll mit Kleinteiligem.
Und dann steht eine größere Behandlung an, die Vorbereitung braucht, einen zusammenhängenden Block, Ruhe. Den gibt es nicht mehr. Das Buch ist zerstückelt, überall sitzen kurze Termine. Also wird die größere Behandlung verschoben. Auf irgendwann. Und irgendwann heißt in einer vollen Praxis: auf die lange Bank.
Das ist der stille Verlust. Nicht, dass Patienten fehlen. Sondern dass die Behandlungen, für die der Patient zu dir kommt und nicht zur Praxis nebenan, keinen Platz finden, weil der Kleinkram zuerst da war.
Die Praxen, bei denen das funktioniert, drehen die Reihenfolge um. Sie warten nicht, bis das Buch voll ist, und schauen dann, was übrig bleibt. Sie reservieren zuerst feste Zeiten für die großen, planbaren Behandlungen und füllen den Rest drumherum auf. Ein paar Stunden pro Woche, fest geblockt, die frei bleiben, bis wenige Tage vorher klar ist, was hineinkommt.
Dafür braucht es eine Voraussetzung, die in vielen Praxen fehlt: Der Empfang muss wissen, wie lange eine Behandlung wirklich dauert, bevor er den Termin vergibt. Diese Information kommt nicht vom Empfang, sie kommt aus dem Behandlungszimmer. Wenn festgelegt ist, welche Behandlung wie viel Zeit braucht und wie viel Abstand zur nächsten, vergibt der Empfang Termine, die zum Tag passen. Fehlt die Festlegung, rät er. Und Raten unter Telefondruck geht meistens zu kurz aus.
Grund drei: Der nächste Termin wird dem Zufall überlassen
Hier sitzt der größte Hebel. Stell dir den Moment vor, in dem ein Patient die Behandlung hinter sich hat. Er steht auf, geht nach vorn, will zahlen oder sich verabschieden. Jetzt entscheidet sich, ob du ihn behältst oder verlierst.
In vielen Praxen heißt es dann: „Wir melden uns, wenn die Kontrolle ansteht.“ Oder: „Sie bekommen eine Karte zum Recall.“ Oder gar nichts.
Genau da verlierst du ihn. Nicht aus bösem Willen, sondern weil der nächste Termin in eine Zukunft geschoben wird, in der niemand mehr richtig zuständig ist. Du verlässt dich darauf, dass der Patient von selbst anruft oder die Recall-Liste ihn einfängt. Manchmal klappt das. Oft nicht.
Der Unterschied kostet dreißig Sekunden: Der nächste Termin wird vereinbart, solange der Patient noch vor dir steht. Die Kontrolle, die professionelle Zahnreinigung, der Folgetermin der laufenden Behandlung – direkt eingetragen, bevor er zur Tür hinaus ist.
Das ist der beste Recall, den es gibt: der, der keinen Recall mehr braucht, weil der Termin schon steht. Und dazu gehört eine feste Regel am Empfang: Kein Patient verlässt die Praxis, ohne dass jemand gefragt hat, ob er noch einen Termin braucht – und ohne dass im System nachgesehen wurde, ob im Behandlungszimmer schon etwas besprochen wurde.
Ein Satz und ein Blick in den Kalender. Dieser eine Satz, konsequent gemacht, verändert dein Terminbuch im nächsten Quartal mehr als jede zusätzliche Telefonleitung.
Was die drei verbindet
Keiner der drei Gründe ist ein Nachfrage-Problem. Bei keinem hilft mehr Telefonzeit. Bei allen dreien geht es darum, was du mit dem vollen Terminbuch machst, das du längst hast.
Das ist der Unterschied zwischen einer Praxis, die voll ist, und einer, die gesteuert ist. Voll bist du längst.
Die vier Zahlen
Du brauchst dafür kein neues Programm. Eine Woche mitzählen reicht für den Anfang.
1. Deine Ausfallquote
Wie viele vereinbarte Termine fallen pro Woche aus – Absagen plus die, die gar nicht erscheinen? Die meisten Inhaberinnen schätzen diese Zahl deutlich zu niedrig, weil die Ausfälle über den Tag verteilt untergehen. Erst gezählt wird sichtbar, wie viel Behandlungszeit jede Woche wegbricht.
2. Deine Nachbesetzungsquote
Von den Terminen, die ausgefallen sind: Wie viele hast du wieder besetzt? Fünf Ausfälle und keine Nachbesetzung ist eine andere Praxis als fünf Ausfälle und vier gefüllte Plätze. Diese Zahl zeigt, ob du auf Ausfälle reagierst oder sie hinnimmst.
3. Deine geschützte Zeit
Hast du feste Blöcke für die großen, planbaren Behandlungen – und waren die am Ende der Woche wirklich damit gefüllt? Oder wieder mit Kleinkram zugestellt? Schau dir eine Woche rückblickend an.
4. Deine Folgetermin-Quote
Für mich die wichtigste: Bei wie vielen Patienten, die heute da waren, steht beim Verlassen der Praxis der nächste Termin? Nicht „bekommt eine Karte“, nicht „ruft sicher an“ – steht im Kalender. Wenn du diese eine Zahl über Wochen nach oben bewegst, füllt sich dein Terminbuch von innen, mit den Patienten, die du schon hast.
Ausfallquote, Nachbesetzung, geschützte Zeit, Folgetermin-Quote. Das ist dein Armaturenbrett. Eine Praxis, die diese vier kennt, weiß, wo ihre Lücken herkommen – und hört auf, das Telefon dafür verantwortlich zu machen.
Was das in einer echten Praxis verändert hat
Volle Praxis, guter Ruf, Wartezeiten auf Termine. Ihr Satz im ersten Gespräch: „Wir sind komplett ausgelastet, das Telefon steht nicht still – aber unterm Strich bleibt zu wenig hängen, und ich weiß nicht, warum.“
Ich habe sie gebeten, eine Woche lang zwei Dinge zu zählen: jeden Termin, der ausfällt, und jeden Patienten, der ohne nächsten Termin geht. Die erste Zahl hat sie überrascht – deutlich mehr Ausfälle als gedacht, fast keiner nachbesetzt. Die zweite hat sie erschreckt: Mehr als die Hälfte ging ohne nächsten Termin nach Hause, bei einer Praxis, die von Kontrolle und Nachsorge lebt.
Wir haben nichts an der Nachfrage geändert und keine Telefonleitung dazugeschaltet. Wir haben drei Dinge festgelegt: eine Kollegin, die auf jeden No-Show reagiert und nachbesetzt. Feste Blöcke für die großen Behandlungen, mit klaren Zeitangaben aus dem Behandlungszimmer. Und die Regel am Empfang.
Nach zwei Monaten war ihr Telefon genauso voll wie vorher. Aber die Lücken am Nachmittag waren weg, die großen Behandlungen hatten ihren Platz, und die Folgetermin-Quote lag statt bei knapp der Hälfte bei über achtzig Prozent. Ihr Satz heute: „Wir telefonieren nicht mehr. Wir steuern.“
Dein Take-away
Nimm dir morgen einen einzigen Patienten vor und probier den einen Satz aus: „Lassen Sie uns gleich Ihren nächsten Termin festmachen.“ Bei einem. Dann beim nächsten. Mehr braucht es nicht, um anzufangen.
Wie es weitergeht
Jeden Dienstag um sechs kommt mein Newsletter: kurz und umsetzbar. Hier anmelden.
Wenn dich deine Zahlen überraschen und du nicht allein herausfinden willst, an welcher Stelle es bei dir klemmt: Kennenlerngespräch buchen, dreißig Minuten.
Und wenn du dein Patientenmanagement als Ganzes neu aufstellen willst: Die Praxis-Architektur startet im Herbst. Zur Warteliste.
Mehr aus dieser Reihe
- Folge 3: Die 3 Prozesse, ohne die deine Praxis jeden Montag im Chaos startet
- Folge 5: Die BWA ist keine Hexerei – sondern dein wichtigster Spiegel

Hi, ich bin Mareen
Als Unternehmensberaterin für erfolgreiche Praxisführung unterstütze ich Zahnarztpraxisinhaber:innen, wieder mit Freude zur Arbeit zu gehen.